Deutsch lernen mit Musik – und Uwe Kind

Ende vorletzter Woche durften wir in Saigon einen besonders weitgereisten Gast willkommen heißen. Uwe Kind heißt der Mann, der sich vor vielen Jahren fragte: Warum nicht das Erlernen von Deutsch (und allgemein Fremdsprachen) mit Musik und Bewegung verbinden? Das Ergebnis waren Lieder, die das Vermitteln von gebräuchlichen Redewendungen und trockener Grammatik vergnüglich und leicht einprägsam machen und damit schnell ein Gefühl für Aussprache und Satzbetonung geben. Da dies genau die Dinge sind, die Schüler beim Erlernen einer neuen Sprache so schwer fallen, verwundert es nicht, dass Uwe für das Goethe-Institut schon 20 Jahre in aller Welt reist, um Schülern das Lernen zu erleichtern und im Zuge dieser Idee mit den Jahren außerdem mehrere Bücher und Musikvideos entstanden sind, die von Deutschlehrenden rund um den Globus erfolgreich im Unterricht eingesetzt werden.

Diese Lieder, und wie man sie in den Unterricht einbringen kann, brachte Uwe Kind dem Lehrerkollegium des GI in einem eintägigen Workshop näher. Doch bevor es am Samstag so weit sein sollte, wurde am Freitag die Zeit zur Erkundung der Stadt genutzt – vietnamtypisch natürlich motorisiert auf 2 Rädern.  Allerdings ging es nicht allein um Sightseeing, denn Uwe hatte bereits sein nächstes Projekt im Hinterkopf, für das er völlig unbedarfte Vietnamesen auf der Straße einfache deutsche Sätze sprechen lassen und sie dabei aufnehmen wollte, um sie später im Video seines nächsten Liedes auftreten zu lassen.

Bewaffnet mit einem Spickzettel, der auf vietnamesisch unser Vorhaben und Instruktionen beschrieb, und einer Videokamera fuhren wir los, um die sehenswertesten Orte Saigons zu besuchen und gleichzeitig Ausschau nach potenziellen “KandidatInnen” zu halten. Die Fahrt führte uns zuerst zur Oper und dem Rathaus und danach weiter zur Notre-Dame-Kirche und der Hauptpost, wo wir mit einer Postkarten- und Lesezeichenverkäuferin unsere erste Freiwillige für die Videoaufnahmen gewinnen konnten.

Weitere Aufnahmen gelangen uns mit Verkäuferinnen und sogar einigen japanischen Touristen im Ben-Thanh-Markt und nach einem gescheiterten Versuch mit einer älteren Frau in der Nähe des Saigon Square, die auch nach dem gewissenhaften Lesen unseres Zettels nicht zu verstehen schien, was diese beiden verrückten Deutschen mit der Kamera nun von ihr wollten. Sie gab auf Uwes animierendes Vorsprechen nur ein verlegenes Lachen von sich.  gab. Trotz einiger Skepsis, ob es bei der Aussprache nicht erhebliche, aus dem Unterricht bekannte Probleme geben würde, erwies sich das Nachsprechen der von Uwe vorgegebenen Phrasen jedoch meist als problemlos – zumindest bei den Personen, die bereits etwas Englisch sprechen konnten. Und so war er von den gelungenen Videoaufnahmen des Vormittags genauso angetan wie von der aufregenden Mopedfahrt durch den chaotischen Verkehr Saigons.

Am nächsten Tag stand dann endlich der Workshop an, an dem das gesamte Lehrerkollegiums des GIs teilnehmen durfte. Dass der Workshop fast wie ein komplettes Fitnessprogramm werden würde, hatten wohl die wenigsten erwartet, jedoch war neben Mitsingen auch viel Bewegung angesagt. Uwe stellte seine Lieder und die von ihm dazu entwickelten Gesten und Bewegungen  vor und dann wurde fleissig geübt.  Nach heiteren 4 Stunden waren alle um viel Unterrichtsmaterial bereichert, aber auch ziemlich erschöpft – alle außer Uwe selbst, der, trotz mitreißender Animation der ca. 20 Workshopteilnehmer vollkommen unermüdlich schien.


Aber genau das musste er auch sein, denn schon am nächsten Tag sollten nicht mehr nur die Lehrer von seinem Besuch direkt profitieren, sondern auch alle Deutschlerner in Ho Chi Minh City: am Abend gab es ein ausgiebiges Deutschfest für alle. Im großen Saal des Freundschaftshauses versammelten sich 400 Gäste um ausgelassen zu Songs wie “Ich weiß was ich will!”, “Ich bin cool!” oder “Ich hab dich” zu singen und zu tanzen und gleichzeitig mit viel Spaß ihr Deutsch ein bisschen weiter zu verbessern.

Dass nach diesem Abend bei den Schülern die Lieder gut in Erinnerung geblieben sind lässt sich nur vermuten – sicher sagen aber kann man, dass Uwe Kind bei den Lehrerinnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Einige Lieder wurden bereits im Unterricht eingesetzt und von den Schülern begeistert aufgenommen und kreativ weiterentwickelt. Und noch knappe 2 Woche später kann man immer mal wieder die eine oder andere Kollegin im Lehrerzimmer eine der inzwischen wohlbekannten Melodien leise vor sich hinsingen hören…

von Ulrike Schilling

Mehr von Uwe Kind gibt’s auf: http://www.kindinternational.com/

Alles Klar? Wunderbar! Dankeschön, Wiedersehn! ;)

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