3 Tage durften wir die Arbeit des Leipziger Künstlers Jörg Herold in Saigon und Umgebung begleiten. Saigon war nur eine von vielen Stationen seiner Südostasienreise, auf der sich der Dokumentararchäologe mit den ethnischen Minoritäten Südostasiens auseinandersetzt. Sein Ziel ist es, soviele unterschiedliche Minoritäten wie möglich aufzunehmen und einen kurzen Film zu drehen. Die Filmsequenzen sind kaum länger als 30 Sekunden und zeigen meist nur eine einzelne Person.
1.Tag, 08.03.2010, Saigon
ca.10:00 Uhr, erste Station, Distrikt 1, Le Thanh Tonh, koreanisches und japanisches Viertel
- der erste Weg führt uns mitten in das Herz von Saigon, in die Le Thanh Tonh Straße mit vielen koranischen und japanischen Restaurants. Man sagte uns, dass seit einigen Jahren hier viele zugezogene Koreaner und Japaner leben. Allerdings haben wir kein Glück, die Japaner und Koreaner sind arbeiten, wir sollen ab 17 Uhr wieder kommen. Wir finden nur einen Vietnamesen, doch während des ersten Filmens gibt das GPS Gerät an Herold´s Videokamera seinen Geist auf. In den bisherigen Ländern hat es ohne Probleme funktioniert, aber im doch recht weit entwickelten Vietnam funktioniert es plötzlich nicht mehr. Ohne das GPS-Gerät kann Herold nicht arbeiten, da die geographischen Daten für die genaue Dokumentation der Route benötigt werden. Also machen wir uns auf die Suche nach einem Kameraladen. Das gestaltet sich als äußerst schwierig gestaltet, da GPS in Vietnam noch nicht sehr populär ist. So beschließen wir, uns am nächsten Tag wieder zu treffen.
2.Tag, 09.03.2010, Saigon
ca. 10:00 Uhr, erste Station, Distrikt 3, Khmer Pagode in der Tran Quoc Thao Straße
- auf wundersame Weise und ohne Hilfe eines Fachmannes konnten wir heute ganz normal mit der Kamera weiter arbeiten. Warum das GPS-Gerät gestern nicht funktionierte, wissen wir nicht, aber das ist jetzt auch nicht mehr wichtig.
Mitten in einem typischen vietnamesischen Wohnviertel quetscht sich zwischen die Häuser eine Khmer Pagode. Die Mönche sind zunächst schüchtern, aber freundlich. Als Jörg Herold seine Videokamera auspackt und beginnt, sein Stativ aufzubauen, macht sich ein wenig Skepsis in ihren Gesichtern breit. Mit wenigen Sätzen erklärt er, was sein Vorhaben ist, sie schauen ihn ein wenig erstaunt an, ob das alles sei und stimmen zu.
Während Herold filmt, besichtige ich die Pagode. Ein Mönch erzählt mir, dass sie vor vielen Jahren als Kambodscha und Vietnam “getrennt wurden”, “übrig” geblieben sind und seitdem in Soc Trang und in Saigon leben. Er will noch viel mehr erzählen, muss aber zum Essen. Herold hat währenddessen vor der Pagode zwei Mönche mit der Videokamera aufgenommen.
12:00 Uhr, 2.Station, Distrikt 5, Chinatown, Markt
-auf dem riesigen Markt mitten in Chinatown ist ein Chinese schnell gefunden, bzw. weiß man nicht genau ob Jörg Herold die Chinesen gefunden hat oder sie ihn, was vermutlich an seiner Größe liegt, denn Jörg Herold ist etwa 2 Meter groß. Die Marktverkäufer sind auf jeden Fall sehr beeindruckt und ohne Getuschel von links und rechts, gelingt es Herold kaum über den Markt zu gehen. Zwischendurch wird ihm zu seiner Größe gratuliert und aufmunternd auf die Schulter oder wohl eher an den Arm geklopft. Gefilmt wird dann ein chinesischer Eisverkäufer, der mitten in der Markthalle riesige Eisblöcke zerteilt und sie zu Crushice verarbeitet. Dieser findet es sogar richtig gut, von dem großen weißen Mann im gestreiften Hemd gefilmt zu werden und zeigt keine Scheu, vor der Kamera zu posieren.
16:00 Uhr, 3.Station, Distrikt 1, Jamia Moschee
- grün mit goldenen Türmchen liegt die Moschee etwas verloren, direkt vor der Baustelle eines neuen Wolkenkratzers. Jörg Herold wird mit offenen Armen sehr herzlich von einem asiatischen Muslim begrüßt. Ich halte mich als Frau im Hintergrund. Das Video ist schnell gemacht und es geht weiter zu den Japanern und Koreanern die nun hoffentlich von der Arbeit nach Hause gekommen sind. Jörg Herold verschwindet in einer kleinen Gasse und berichtet später, dass er einen japanischen Businessmann vor die Kamera bekommen hat, welcher seit wenigen Jahren in Saigon lebt.
3.Tag, 10.03.2010, Ausflug in den Cat Tien Nationalpark
8:00 Uhr, Hinfahrt mit dem Auto, etwa vier Stunden auf dem A 1 Highway Richtung Da Lat
-kurz vor Cat Tien machen wir eine Pause und hören uns in einem Cafe schon mal ein wenig um, gefunden wird ein vietnamesischer Reiseleiter der sich in der Region gut auskennt und bereit ist uns herumzuführen. Das erste Dorf, Ta Lai, bewohnt von der S´tieng Minderheit liegt direkt an einem Fluss. Hier ist es schon ein wenig schwieriger jemanden vor die Kamera zu bekommen, aber wir finden einen Mann, der als Bauarbeiter arbeitet. Hier sind die Menschen eher schüchtern,man beobachtet uns, ob nur skeptisch oder auch ein wenig feindselig lässt sich nicht sagen.
nächste Station, Chau-Ma und Chau Ro Dorf
-die letzte Station für Heute und den Süden Vietnams, hier ist die Atmosphäre wieder ganz anders, obwohl wir nur wenige Kilometer gefahren sind. Scharen von Kindern tummeln sich auf der Straße und blicken uns neugierig entgegen. Jörg Herold filmt einen Mann vor seinem Haus, als Dank bekommt dieser ein frisch ausgedrucktes Polaroid Foto von sich und seiner Familie, als Erinnerung. Der Mann ist ein wenig erstaunt, aber freut sich sehr. Ich bin mir sicher,dass sie sich wohl immer an den großen weißen Mann mit der Videokamera erinnern werden. Als wir gehen,winken die Kinder uns noch lange hinterher.
Laura Knauf
Hier der offizielle Blog zu Jörg Herold´s Reise:
http://nachrichten.lvz-online.de/specials/specials/herold_suedostasien/r-herold_suedostasien.html

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